Berühmt ist die Burg durch das Waltharilied und dem darin beschriebenen Kampf zwischen Walther, Gunther und Hagen. Walther, der sich strategisch gut in der engen Schlucht aufgestellt hatte, konnte dadurch immer nur von einem Gegner angegriffen werden, wodurch er schließlich die Übermacht des König Gunther besiegen konnte.
Das Waltharilied

Das war der König Etzel im fröhlichen Hunnenreich,
Der ließ das Heerhorn blasen: »Ihr Mannen, rüstet euch!
Wohlauf zu Roß, zu Felde, nach Franken geht der Zug,
Wir machen zu Worms am Rheine uneingeladen Besuch!«
Der Frankenkönig Gibich saß dort auf hohem Thron,
Sein Herze wollt sich freuen, ihm war gegeben ein Sohn;
Da kam unfrohe Kunde gerauscht an Gibichs Ohr:
Es wälzt ein Schwarm von Feinden sich von der Donau vor,
Es steht auf fränkischer Erde der Hunnen reisig Heer,
Zahllos wie Stern' am Himmel, zahllos wie Sand am Meer.

Da blaßten Gibichs Wangen. Die Seinen rief er bei
Und pflog mit ihnen Rates, was zu beginnen sei.
Da stimmten all die Mannen: »Ein Bündnis nur uns frommt,
Wir müssen Handschlag zollen dem Hunnen, wenn er kommt;
Wir müssen Geiseln stellen und zahlen den Königszins,
Deß freuen wir noch immer uns größeren Gewinns,
Als daß, ungleiche Kämpfer, wir Land zugleich und Lehen
Und Weib und Kind und alles dem Feind zu Handen geben.«
Des Königs Söhnlein Gunther war noch zu schwach und klein,
Noch lag's an Mutterbrüsten, das mocht nicht Geisel sein;
Doch war des Königs Vetter, Herr Hagen, hochgemut
Von Trojer Heldenstamme, ein adlig junges Blut.
Sie richteten viel Schätze und fassen drauf den Schluß,
Daß der als Pfand des Friedens zu Etzel ziehen muß.

Zur Zeit als dies geschah, da trug mit fester Hand
Den Zepter König Herrich in der Burgunden Land.
Ihm wuchs die einzige Tochter, benamst jung Hiltegund,
Die war der Mägdlein schönstes im weiten Reich Burgund.
Die sollt als Erbin einst, dem Volk zu Nutz und Segen,
So Gott es fügen wollt, der alten Herrschaft pflegen.

Derweil nun mit den Franken der Friede gefestigt war,
So rückt' auf Herrichs Grenzmark der Hunnen kampfliche Schar.
Voraus mit flinkem Zügel lenkt' König Etzel sein Roß,
Ihm folgt' in gleichem Schritte der Heeresfürsten Troß.
Von Rosseshuf zerstampft die Erde gab seufzenden Schall,
Die zage Luft durchtönte Schildklirren als Widerhall.
Im Blachfeld funkelte ein eherner Lanzenwald,
Wie wenn die Frührotsonne auf tauige Wiesen strahlt,
Und so ein Berg sich türmte: er wurde überklommen;
Die Saone und die Rhone: es wurde durchgeschwommen.

Zu Chalons saß Fürst Herrich, da rief der Wächter vom Turm:
»Ich seh' von Staub eine Wolke, die Wolke kündet Sturm,
Feind ist ins Land gebrochen, ihr Leute, seht euch vor,
Und wem ein Haus zu eigen, der schließe Tür und Tor!«

Der Franken Unterwerfung, dem Fürsten war sie kund;
Er rief die Lehenträger und sprach mit weisem Mund:
»Die Franken, niemand zweifelt's, sind tapfre Kriegesleute,
Doch mochte keiner dort dem Hunnen stehn zum Streite,
Und wenn die also taten, da werden wir allein
Dem Tode uns zu opfern auch nicht die Narren sein.
Ich hab' ein einzig Kind nur, doch für das Vaterland
Geb' ich es hin, es werde des Friedens Unterpfand.«

Da gingen die Gesandten, barhäuptig ohne Schwert,
Den Hunnen zu entbieten, was Herrich sie gelehrt.
Höflich empfing sie Etzel, es war das so sein Brauch,
Sprach: »Mehr als Krieg taugt Bündnis, das sag' ich selber auch,
Auch ich bin Mann des Friedens, nur wer sich meiner Macht
Töricht entgegenstemmt, dem wird der Garaus gemacht.
Drum eures Königs Bitte gewähret Etzel gern.«
Da gingen die Gesandten, es kündend ihrem Herrn.

Dem Tor entschritt Fürst Herrich, viel köstliches Gestein
Bracht' er den Hunnen dar, dazu die Tochter sein -
Der Friede ward beschworen, - fahr wohl, schön Hiltegund!
So zog in die Verbannung, die Perle von Burgund.

Wie dort Vertrag und Bündnis geordnet war zum besten,
Entführte König Etzel sein reisig Volk gen Westen.
Im Land der Aquitanen herrscht Alpher, der strenge Mann.
Dem wuchs ein Sohn Walthari im Jugendschmuck heran.
Herrich und Alpher hatten sich manch einen Boten geschickt
Und sich mit feierlichem Eidschwur einand verstrickt:
Sobald die Zeit des Freiens dereinst sich stellet ein,
So sollen unsre Kinder ein fröhlich Brautpaar sein.

Betrübt saß König Alpher itzt bei der Hunnen Not:
»O weh mir, daß ich Alter nicht finde Schwertes Tod -
Ein schlechtes Beispiel gaben Burgund und Frankenland,
Itzt muß ich gleiches tun, und ist doch eine Schand'.
Ich muß Gesandte schicken und Friede heischen und Bund
Und muß den eignen Sprossen als Geisel stellen zur Stund.«
So sprach der strenge Alpher, und also ward's getan,
Mit Gold belastet traten die Hunnen den Rückzug an,
Sie führten Walthari und Hiltgund und Hagen in sichrer Hut
Und grüßten wildfroh jauchzend die heimische Donauflut.

Nachdem nun König Etzel der Heimat sich erfreut,
Pflegt er die fremden Kinde mit großer Biederkeit,
Wie seine eignen Erben ließ er sie auferziehn,
Die Jungfrau anempfahl er der Königin Ospirin.
Die jungen Recken aber behielt er scharf im Auge,
Daß jeder zu des Krieges und Friedens Künsten tauge,
Die wuchsen auch an Jahren und Weisheit wohl heran,
Ihr Arm bezwang den stärksten, ihr Witz den witzigsten Mann.
Deswegen liebt der König die beiden Knaben sehr.
Und schuf sie zu den ersten in seiner Hunnen Heer.
Es ward mit Gottes Beistand auch die gefangene Maid
Der trutzigen Hunnenfürstin ein' wahre Augenweid,
An Tugend reich und Züchten, so ward Hiltgund zuletzt
Als Schaffnerin dem Schatze der Hofburg vorgesetzt,
Und wenig fehlte nur, so war sie in dem Reich
Die höchste - was sie wünschte, erfüllt war's allsogleich.

Derweil starb König Gibich, ihm folgte Gunther, sein Sohn,
Der brach das Hunnenbündnis und weigert den Zins mit Hohn,
Die Kunde kam geflogen zu Hagen in der Fern',
Da nahm er nächtlich Reißaus und floh zu seinem Herrn.
Am Tag, da er verschwunden, erfreute sich nur wenig
Frau Ospirin und listig sprach sie zu Etzel dem König:
»O königliche Weisheit, habt Acht, habt scharfe Acht,
Daß unsres Reiches Säule zu Fall nicht werde gebracht,
Ich fürchte, auch Walthari, der Hunnen bester Held,
Sucht wie der schlaue Hagen, sein Freund, das weite Feld.
Ihr müßt ihn seßhaft machen durch süße Bande und Haft,
Ihr müßt mit solchen Worten bereden Waltharis Kraft:

»Du trugst in unserm Dienst viel Müh und Fährlichkeit,
Drum merk, wie dein Gebieter huldvollen Dank dir beut,
Der Hunnentöchter beste sollst du zum Weib erkiesen
Und reich an Land und Ehren verdienter Ruh' genießen.
Und was du gehrst an Gute, umsonst nicht sei dein Bitten,
Gewährt sei volles Maß dir, du hast es wohl erstritten.«

Das Wort gefiel dem König, es deucht' ihm fein und schlau,
Es weiß in derlei Dingen das Weiseste stets die Frau.

Der König jung Walthari mit solchem Rat empfing,
Doch dessen Dichten auf ganz andre Dinge ging,
Er merkte, daß ihm Etzel die Wege wollt verlegen,
Drum kam dem Prüfenden ablenkend er entgegen:

»O Fürst, was ich getan, ist großen Ruhmes ledig,
Daß Ihr so hoch es anschlagt, ist huldvoll zwar und gnädig,
Doch muß ein Weib ich wählen nach Eurem Machtgebot,
Werd' ich umstrickt von Sorge und süßer Minne Not.
Da muß ein Haus ich zimmern und muß den Acker bau'n,
Ich kann des Herren Auge nur selten wiederschau'n.
Und wer der Lieb' gekostet, dem fehlet Kraft und Stärke,
Mit Freuden obzuliegen dem edlen Kriegsgewerke.
Nichts Süßeres auf Erde, als hold gewärtig und treu
Dem Dienstherrn überall folgen, drum bitt' ich, laßt mich frei.
So Ihr am späten Abend, so Ihr in Mitternächten
Befehl schickt, bin ich willig, wo Ihr nur wollt, zu fechten.
Mir soll im Schlachtenwetter nicht Sorg' um Kind und Weib
Die Blicke rückwärts wenden und lähmen meinen Leib.
Bei Eurem Leben fleh' ich, bei Eurem tapfern Land:
Laßt mir die Hochzeitfackel, o König, ungebrannt.«

Da weichte Etzels Herze, das Wort behagt' ihm sehr,
Er sprach getrost: »Walthari entfleucht mir nimmermehr.«

Inzwischen hatte sich ein fernes Volk empört,
Da ward des Schwertes Schneide gen diesen Feind gekehrt,
Da wurde jung Walthari zum Feldhauptmann gemacht,
Und dauerte nicht lange, so schlugen sie die Schlacht.
Vorwärts drang ihre Heerschar als wie ein spitzer Keil,
Es zitterten die Lüfte von wildem Schlachtgeheul.
Hellauf klang die Drommete, die Speere flogen wild,
Aufleuchtet's wie ein Blitzstrahl von manch gespaltnem Schild,
Und wie bei Nordsturms Sausen ein dichter Hagel fällt,
So ward zahlloser Pfeilschwarm herüber hinüber geschnellt.
Dann ging's zum Handgemenge, gezogen ward das Schwert,
Da lag zerspellten Hauptes manch ein gewappnet Pferd,
Da lag zerspellten Hauptes beim Schild manch fester Ritter.
Hei, wie das Feld durchmähst du, Walthari, tapfrer Schnitter!
Als stünd' mit seiner Sense der Tod leibhaft im Streit,
So schauten ihn zag die Feinde bei seiner Blutarbeit.
Zur Linken und zur Rechten, wohin er sich gewendet,
Hub sich ein jähes Flüchten, so ward der Kampf geendet,
Dem Hunnenvolke war ruhmvoller Sieg bereitet
Und von erschlagnem Feind manch preislich Stück erbeutet.

Drauf ließ der Führer blasen zur Ruh vom Waffentanz,
Er schmückte seine Schläfe mit grünem Eichlaubkranz,
Und Fahnenträger und Mannschaft, sie taten all wie er,
So zog im Siegesschmucke bekränzt nach Hause das Heer.
Jedweder suchte froh des Hauses gastlich Dach,
Zu König Etzels Hofburg Walthari schritt gemach.

Sieh da, wie eilig rannten die Diener aus dem Schloß,
Sie labten sich des Anblicks und hielten ihm das Roß;
Derweil aus hohem Sattel Walthari niederstieg,
So frugen sie neugierig: Gewannen wir den Sieg?
Er warf just für die Neugier ein mäßig Bröcklein hin
Und ging zum Königssaale, gar müd war ihm zu Sinn.
Hiltgund traf er alleine, da küßt' er sie und sprach:
»Beschaff mir einen Trunk, das war ein heißer Tag.«
Da füllte sie den Becher, er trank den Firnewein
Jach, wie den Wassertropfen einsaugt der glühe Stein,
Dann schloß er in die seine der Jungfrau weiße Hand,
Beid' wußten, daß von alters verlobt sie seien einand.
Errötend stand und schwieg sie. Da sprach er zu der Maid:
»Schon lange tragen wir der Fremde herbes Leid
Und sollten doch nach Rechten einander sein zu eigen;
Ich hab' das Wort gesprochen! nicht länger mag ich's schweigen.«

Die Jungfrau stand betrüblich, als wär's nur Spott und Hohn,
Aufflammt ihr blaues Auge, sie sprach mit herbem Ton:
»Was heuchelt deine Zunge, was nie dein Herz begehrt?
Viel besserer Verlobten hältst, Schlauer, du dich wert.«

Da blickte treu und minnig, da sprach der tapfre Mann:
»Fern sei, was du gedenkest, o hör mich huldvoll an!
In meines Herzens Grunde haust weder Falsch noch Arg,
Niemal ich mit dem Munde den wahren Sinn verbarg.
Kein Späher weilt im Saale, nur wir zwei beid' allein,
Ich wüßt ein süß Geheimnis, wolltst du verschwiegen sein.«
Da stürzte ihm zu Füßen Hiltgund und weint' und sprach:
»Wohin du mich berufest, o Herr, ich folge dir nach.«
Er hob sie auf mild tröstend: »Ich bin der Fremde müd,
Ein süßes Heimatsehnen die Seele mir durchglüht,
Doch ohne Hiltgund nimmer steht mir zur Flucht mein Sinn,
So du zurücke bliebest, deß schöpft' ich Ungewinn.«
Da lacht' sie in die Tränen: »O Herr, du sprichst mit Fug
Das Wort, das ich seit Jahren geheim im Busen trug.
Gebiete denn die Flucht, mit dir will ich sie wagen,
Durch Not und Fährlichkeit muß uns die Liebe tragen.«
Und weiter sprach Walthari, doch flüsternd nur, nicht laut:
»Dieweil sie dir zu hüten den Hunnenschatz vertraut,
So stell des Königs Helm mir und Waffenhemd zurück.
Und seinen Riemenpanzer, des Schmiedes Meisterstück.
Dann fülle du zwei Schreine mit Spangen und Gold zu Hauf,
Daß du sie kaum vom Boden zur Brust magst heben auf,
Auch sollt du mir beschaffen vier Paare starker Schuh',
- Der Weg wird lang - gleichviele richt für dich selber zu;
Darüber magst du weiter kostbar Gefäß verpacken,
Beim Schmiede aber heische krummspitze Angelhaken,
Du wirst auf unsern Fahrten erschauen deinen Gesellen,
Wegzehrung uns gewinnen mit Fischen und Vogelstellen.
Dies all sei vorbereitet heut über sieben Tage,
Da sitzt mit seinen Mannen der König beim Gelage,
Und schlafen weinbewältigt all in trunkner Ruh...
Glück auf! dann reiten wir dem Land im Westen zu!

Die Stunde kam des Schmauses. Mit Tüchern mannigfalt
Verhänget war die Halle. Eintrat Herr Etzel bald,
Er setzte auf den Thron sich, den Woll' und Purpur deckt,
Auf hundert Polstern rings die Hunnen lagen gestreckt.
Schier beugten sich die Tische den Speisen sonder Zahl,
Viel süßer Labtrank dampfte im güldenen Pokal,
Mit bunten Fähnlein waren die Schüsseln ausgeziert,
So hub die Mahlzeit an - Wahlthari machte den Wirt.
Und wie der Schmaus zu Ende, die Tische weggeräumt,
Da sprach zu König Etzel Walthari ungesäumt:
»Nun, edler Herr und König, erteilt uns Euren Segen,
Daß alle hier im Saale der Zechlust mögen pflegen.«
Der Humpen allergrößten reicht er ihm kniend dar,
Darauf aus alten Mären manch Bild geschnitzet war.
Da lacht' der alte Zecher: »Fürwahr, Ihr meint es gut,
Als wie ein Meer im Sturme entgegenschäumt mir die Flut.«

Doch sonder Zagen stand er, ein Fels am wogenden Strand,
Und lüpft' den Riesenhumpen und wiegt' ihn in der Hand
Und trank mit tapfrem Zuge ihn bis zum Grunde leer
Und macht' die Nagelprobe, da floß kein Tropfen mehr.
»Itzt tut mir's nach, ihr Jungen!« so rief der alte Held,
Da war ein lobwert Beispiel den andern aufgestellt.
Hurtig und hurtiger, dem Winde gleich, dem schnellen,
Sah man den Saal durchrennen den Mundschenk samt Gesellen.
Sie nahmen die Pokale, sie füllten sie aufs neu,
Da hub sich in dem Saale ein scharfes Weinturney.
Bald lallte manche Zunge, die sonst viel Ruhm gewann,
Bald wankte in den Knien manch heldenkühner Mann;
Es kam die Mitternacht, noch zechten sie und sungen,
Dann sanken sie zur Beute dem Schlafe weinbezwungen.
Und hätt' Walthari itzt die Burg in Brand gesteckt:
Kein Mann war da so nüchtern, daß er ihn drob entdeckt.

Walthari rief Hiltgunden fürsichtig nun zu sich:
»Wohlauf bring das Geräte, wohlauf und rüste dich!«
Dann führt er aus dem Stall sein Roß, der Löwe hieß es,
Hufscharrend stand's und schäumend in seine Zügel biß es.
Er wappnete mit Erze des Rosses Stirn und Seite,
Vom Bug hernieder hing er goldschwer die Schreine beide,
Dazu ein Körbchen Speise - dann gab er die wallenden Zügel
Der Jungfrau in die Hand und hob sie in den Bügel,
Er selber saß zu Rosse, vom roten Helmbusch umwallt,
Bepanzert und beschienet in riesiger Gestalt.
Zur Linken hing gegürtet ein Schwert, zur Rechten auch
Ein scharfer krummer Säbel nach hunnischem Gebrauch.
Jetzt schwang er Schild und Lanze, es ritten auf einem Roß
Walthari und Hiltgunde aus König Etzels Schloß.
Die Sage von Walther und Hildegunde

Zu der Burg Wasigenstein gehört unbedingt die Sage von dem Gefecht im Wasgenwald, die Bestandteil des Walthariliedes ist. Etwa gegen 930 schrieb der 973 verstorbene Benediktanermönch Ekkehart I. von St. Gallen dieses Ritterepos, welches inhaltlich in den Nibelungenzyklus gehört, in Romanform. Die Geschichte spielte sich etwa so ab:

Zu Zeiten der Heerfahrten des Hunnenkönigs Etzel (Attila) gerieten die Königskinder Hagen von Tronje, Sohn des Aldrian von Tronje, Walther von Aquitanien, Sohn des Königs Alpher von Aquitanien und Hildegunde von Burgund, Tochter des Königs Herrich von Burgund, als Geiseln in die Hand Etzels. Sie wurden am Königshof des Hunnenführers bestens erzogen und ausgebildet. Besonders Walther entwickelte sich zu einem besonders tapferen und starken Krieger und Schwertkämpfer.

Doch ihre Sehnsucht nach der Heimat war stets übermächtig geblieben. Als der Frankenkönig Gibich, der einst Hagen von Tronje als Geisel bestimmt hatte, gestorben war und sein Nachfolger König Gunter in Worms den fälligen Tribut an Etzel nicht mehr zahlen wollte, war die Stunde für Hagen von Tronje gekommen. Er floh vom Hofe Etzels nach Worms an den Rhein und wurde Lehensmann des Königs Gunter.

Auch Walther von Aquitanien plante seine Flucht, doch wollte er nicht ohne Hildegunde, die er inzwischen lieb gewonnen hatte, fliehen. Heimlich trafen die beiden alle Vorbereitungen für die Flucht. Sie sorgten für die nötige Ausrüstung und Waffen für Walther und vergaßen auch nicht, sich die zwei Schatztruhen voll Gold, die ihre Väter als Tribut zahlen mußten, anzueignen. Nach einer Feier, auf der Walther die Recken des Königs Etzel allesamt trunken gemacht hatte, traten die beiden Königskinder gemeinsam die Flucht an.

Nach langer Fahrt erreichten sie unversehrt den Rhein in Höhe des Odenwalds. Dort setzte ein Fährmann sie über und ihre Flucht ging weiter nach Frankreich, Richtung Chalon und Aquitanien. Dem Fährmann gaben sie zum Dank zwei besonders große, seltsame Fische, die sie unterwegs in der Donau gefangen hatten.

Der Fährmann verkaufte die Fische für gutes Geld an den Königshof in Worms. Als nun der habgierige König Gunter in Worms diese Fische auf seiner Tafel liegen sah, interessierte er sich für die Herkunft der beiden Fische. Der Fährmann wurde gerufen und er gab bereitwillig Auskunft über das mit Schätzen schwer beladene Paar, das Richtung Wasgenwald weitergezogen war. Anhand der Erzählung erkannte Hagen von Tronje, daß es sich bei diesem Paar nur um Walther und Hildegunde handeln konnte. Er freute sich auf ein Wiedersehen, was ihm allerdings sofort verdorben wurde, als König Gunter seinen Plan darlegte, den beiden mit einigen Recken zu folgen und sie um den Schatz zu erleichtern.

Widerwillig begleitete Hagen seinen Lehensherrn, nachdem er Gunter eindringlich vor der Stärke Walthers gewarnt hatte. Im übrigen hatte Hagen einen Traum gehabt, sein Herr wäre von einem wilden Eber schwer angefallen worden und er, Hagen, habe nur unter Verlust von einem Auge und sechs Backenzähnen seinen Herrn vor dem Tode erretten können. Doch auch diese letzte Warnung konnte Gunter nicht von seinen Plänen abbringen.

Walther und Hildegunde hatten inzwischen den Wasgenwald erreicht und machten unmittelbar am Wasigenstein Rast. Der Wasigenstein mit seinem Felsspalt eignete sich besonders gut als Raststätte, da er bequem von einem Kämpfer verteidigt werden konnte. Der müde Recke begab sich zur Ruhe und bat seine getreue Gefährtin, Wache zu halten.

Bald darauf sah Hildegunde blankes Metall durch die Zweige blinken und ängstlich weckte sie Walther, denn sie fürchtete schon, die verfolgenden Hunnen hätten sie eingeholt. Doch Walther erkannte in der Reiterschar seinen alten Freund Hagen im Kreise von fränkischen Recken. Da ihm die ganze Sache nicht recht geheuer vorkam, legte er sich seine Rüstung an, Helm, Speer, Schild, sein Langschwert und zusätzlich ein hunnisches Krummschwert. So erwartete er die Recken an der Felsspalte, die Jungfrau Hildegunde in seinem Rücken schützend.

Hagen von Tronje erkannte die äußerst günstige Position Walthers und riet seinem König, den Herold Ortwin von Metz als Unterhändler zu schicken. Unter der Bedingung, daß Walther den Goldschatz und Hildegunde als Geisel herausgeben würde, sollte er freien Abzug bekommen.

Als Ortwin von Metz dies Walther von Aquitanien mitgeteilt hatte, erwiderte jener, daß er die Bedingungen nimmer annehmen könne. Er wolle allerdings aus Höflichkeit dem König Gunter 100 Goldspangen Wegegeld aushändigen.

Als dem König Gunter diese Nachricht überbracht wurde, war er sehr ungehalten. Obwohl Hagen riet, sich mit dem Angebot Walthers zu begnügen, schickte Gunter nochmals Ortwin von Metz zu Walther, seine Forderungen zu bekräftigen. Obwohl Walther sein Angebot auf 200 Goldspangen erhöhte, konnte keine Einigung erzielt werden. Der erzürnte Ortwin von Metz schleuderte seinen Speer gegen Walther, der jedoch leicht parierte und Ortwin nach kurzem Kampf niederstreckte. Der Streit hatte begonnen.

Hagen von Tronje indes hatte sich grollend auf einen Felsklotz niedergelassen. Er sträubte sich dagegen, wider seinen Freund Walther zu streiten. Allerdings band ihn auch sein Lehenseid an König Gunter. Jener hingegen schickte seine übrigen Männer, einer nach dem anderen, zum Wasigenstein, wo Walther die Felsspalte geschickt verteidigte. Mehr als zwei Männer konnten dort nicht gleichzeitig kämpfen. So verloren nacheinander die fränkischen Recken Skaramund, ein Neffe Ortwins von Metz, Werinhard von Santen, der Sachse Eckefried und der Franke Hadwart im Zweikampf mit Walther ihr Leben.

Nun machte sich Patafried, ein Neffe Hagens, für den Kampf fertig. Hagen erschrak und bat seinen Verwandten inständig, vom Kampf abzulassen, da er mit dem sicheren Tod Patafrieds enden würde. Doch die Bitten Hagens waren vergeblich, ungestüm zog Patafried in den Streit. Gern hätte Walther den Neffen Hagens geschont, doch jener drang so trotzig auf ihn ein, daß Walther sich energisch zur Wehr setzen mußte. Nach kurzem Kampf lag Patafried niedergestreckt am Boden. Dem Neffen Hagens folgten Gerwig, Randolf und Helmnot in den Tod. Schrecklich hatten sich die Reihen der Franken gelichtet. Schließlich blieben nur noch Hagen und Gunter am Leben.

Gunter drang nun in Hagen, seiner letzten Hoffnung, den Kampf mit Walther aufzunehmen. Doch dieser lehnte unter Hinweis auf seine alte Freundschaft mit Walther ab. Als ihn Gunter schließlich an seinen Lehenseid erinnerte, gab Hagen nach und willigte ein. Doch hier am Wasigenstein habe auch er keine Chance gegen Walther und man solle warten, bis Walther und Hildegunde abgezogen waren. Die müden Recken auf beiden Seiten gönnten sich eine Nacht lang Ruhe.

Am nächsten Morgen war Walther sehr erstaunt, es war nämlich kein Feind mehr zu sehen. So zog er halb hoffend, halb bangend, mit seiner Hildegunde weiter. Doch auf einer Lichtung, noch in der Nähe des Wasigensteins, stellte Gunter und Hagen das Paar.

Walther erinnerte seinen alten Gefährten Hagen an beider Freundschaft, doch traurig forderte Hagen Walther zum Kampf: Walther habe seinen Neffen Patafried erschlagen und im übrigen stünde er unter dem Eid Gunters.

Der Kampf begann, zwei gegen einen, und die Jungfrau Hildegunde beobachtete mit bangem Blick das Geschehen. Heftig tobte der Streit und Walther fügte dem König Gunter eine schwere Wunde am Oberschenkel zu. Schon schien der König verloren, denn Walther holte zu einem letzten Schlag aus. Da warf sich Hagen von Tronje mutig zwischen seinen Herrn und seinen Freund. Am Helm Hagens zerbrach die Klinge Walthers. Hagen nutzte seine Chance sofort und schlug mit kräftigen Streich Walther die rechte Hand ab. Von Schmerz und Grimm durchzuckt, zog Walther mit der Linken sein hunnisches Krummschwert und schmetterte es mit solcher Gewalt über den helmbewehrten Kopf Hagens, daß dieser ein Auge und sechs Backenzähne verlor.

Der Kampf war beendet und Hagens Traum hatte sich bewahrheitet. Walther rief nach Hildegunde. Diese erschrak, doch sie beeilte sich, den Aufforderungen Walthers, zuerst seinen Freund Hagen, dann sich selbst, zuletzt aber den perfiden König Gunter zu versorgen, nachzukommen. Die alten Freunde versöhnten sich und nach ein paar Tagen der Genesung, traten Walther und Hildegunde die Heimreise an. Bald darauf wurde ihre Hochzeit gefeiert.

Neben dieser Erzählung gibt es weitere Sagen im Dunstkreis des Wasigensteins, so über den nahe gelegenen Maimont, einer keltischen Kult- und Opferstätte. Unter anderem ist dort von einem verborgenen Schatz die Rede.

Der Wasigenstein

Zwei Burgruinen aus dem 12. und 13 Jahrhundert auf einem durch eine tiefe Schlucht geteilten Felsen. Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg. Erhalten sind tief in den Fels gehauene Treppen, Gemächer und Ringmauern. Von den Burgzinnen schöne Aussicht in die Obersteinbacher Flur.
Der Wasigenstein